Die Frage kommt fast immer zuerst. Und sie ist schwer zu beantworten, weil die Spannbreite absurd groß ist: Dasselbe zehnminütige Video kostet je nach Weg zwischen ein paar hundert Euro und einem fünfstelligen Betrag.
Deshalb hier keine einzelne Zahl, sondern die Struktur dahinter. Wenn Sie die kennen, können Sie jedes Angebot einordnen, das auf Ihrem Tisch landet.
Der Marktbenchmark, an dem Sie sich orientieren können
Für eine Stunde produziertes eLearning liegen die externen Produktionskosten bei bis zu 40.000 Euro. Das ist ein Marktbenchmark und eine Obergrenze, kein Durchschnitt. Er gilt für aufwendige Produktionen mit Drehteam, Sprecher:in, Schnitt, Interaktionen und mehreren Abstimmungsrunden.
Die Zahl ist trotzdem nützlich, weil sie eine Bezugsgröße liefert. Rechnen Sie Ihre eigenen Vorhaben pro fertiger Lernminute, nicht pro Projekt. Erst dann lassen sich Angebote vergleichen.
Die drei Wege und was sie kosten
Weg 1: Agentur oder Produktionsdienstleister
Sie kaufen Ergebnis und Verantwortung ein. Kalkuliert wird nach Drehtagen, Schnittaufwand, Sprecherstunden und Korrekturzyklen. Die Qualität ist hoch, der Preis pro Minute ebenfalls. Kritisch sind zwei Dinge: Änderungen kosten fast so viel wie die Erstproduktion, und jede Sprachversion ist ein eigenes Angebot.
Weg 2: Interne Produktion mit klassischem Autorentool
Die Lizenz ist überschaubar, die Personalkosten sind es nicht. Rechnen Sie realistisch: Konzept, Skript, Abstimmung mit dem Fachbereich, Aufnahme, Schnitt, Vertonung, Quiz, LMS-Import. In vielen Teams liegt der Aufwand pro Lernvideo bei rund einem Arbeitstag, bei Softwarethemen mit Screencast oft mehr. Multipliziert mit einem internen Tagessatz ist das der eigentliche Kostenblock, er steht nur in keiner Rechnung. Wo dieser Aufwand herkommt, zeigt der Vergleich zur Articulate 360 Alternative.
Weg 3: KI-gestützte Produktion
Die Lizenz ist der sichtbare Posten, der Aufwand pro Video sinkt deutlich. Belastbarer Referenzwert von einem namentlich freigegebenen Kunden: Bei DPD Deutschland fiel die Produktionszeit pro Lernvideo von rund einem Arbeitstag auf etwa eine Stunde. Gemessen über mehr als 1.800 Videos in zweieinhalb Jahren, produziert von rund 240 aktiven Autor:innen.
Die Posten, die in fast jeder Kalkulation fehlen
Hier wird es entscheidend. Die Erstproduktion ist selten der teuerste Teil.
- Pflege und Aktualisierung. Jedes Software-Release, jede geänderte Arbeitsanweisung, jede neue Rechtslage macht Inhalte veraltet. Bei klassischer Produktion bedeutet das: neu aufnehmen, neu schneiden, neu ins LMS importieren.
- Übersetzung. Pro Sprache eine eigene Aufnahme, eine eigene Abstimmung, eine eigene Freigabe.
- Abstimmungsschleifen. Der Posten, den niemand kalkuliert und jeder kennt. Zwischen erstem Skript und Freigabe liegen oft drei bis fünf Runden.
- Opportunitätskosten des Backlogs. Wenn eine Unterweisung sechs Wochen braucht, laufen sechs Wochen ohne Nachweis.
- LMS-Handarbeit. Import, Versionierung, Zuweisung, Nachverfolgung. Klingt klein, summiert sich über Dutzende Kurse.
Wo die Rechnung kippt
Solange Sie fünf Videos im Jahr produzieren, ist der Weg fast beliebig. Eine Agentur ist dann oft die günstigste Variante, weil Sie keine internen Kapazitäten aufbauen.
Ab einem gewissen Volumen dreht sich das. Der Kipppunkt liegt meist dort, wo drei Dinge zusammenkommen: mehr als etwa 20 Videos pro Jahr, mindestens zwei Sprachen, und Inhalte, die sich regelmäßig ändern. Ab da dominieren Pflege und Übersetzung die Gesamtkosten, und genau diese beiden Posten sinken durch Automatisierung am stärksten.
Ein konkretes Beispiel für die Mechanik: 140 Sprachen für Untertitel und Übersetzung, 50+ Sprachen für die Vertonung, 120+ Avatare. Eine Sprachversion ist damit kein Projekt mehr, sondern ein Export. Wie das im internationalen Rollout aussieht, steht im Beitrag zu mehrsprachigen Schulungsvideos ohne Übersetzungsagentur. Und SCORM-Remote-Update heißt, dass eine inhaltliche Korrektur nicht durch den kompletten LMS-Prozess muss.
So kalkulieren Sie Ihren eigenen Fall
Nehmen Sie Ihre letzten zehn produzierten Trainings und tragen Sie vier Werte zusammen:
- Fertige Lernminuten insgesamt
- Interne Personenstunden, ehrlich inklusive Abstimmung
- Externe Kosten für Sprecher, Schnitt, Übersetzung
- Anzahl der Aktualisierungen in den letzten zwölf Monaten
Dividieren Sie die Positionen zwei bis vier durch die erste. Sie haben Ihren echten Preis pro Lernminute. Fast alle Teams, die das zum ersten Mal machen, unterschätzen ihn vorher deutlich, weil die internen Stunden nie erfasst wurden.
Wenn die Zahl höher ausfällt als erwartet, liegt das selten am Werkzeug und meist an der Struktur. Welche fünf Hebel dort greifen, steht im Beitrag zum Skalieren der Trainingserstellung.
Die häufigste Fehlentscheidung
Teams vergleichen Lizenzpreise. Das ist die kleinste Variable in der Rechnung.
Entscheidend sind die Kosten pro Aktualisierung und die Kosten pro Sprachversion. Wer diese zwei Werte optimiert, senkt die Gesamtkosten deutlich stärker als jemand, der bei der Lizenz verhandelt.
Fragen Sie im nächsten Anbietergespräch nur zwei Dinge: Was kostet es, wenn sich Minute vier ändert? Und was kostet die dritte Sprache? Die Antworten sortieren den Markt schneller als jede Demo.





